Aktuelles
Über mich
Wahlkreis
Airport Parchim
Bundestag
Reden
Bundeswehr
Sport
Meine Termine
Reiseberichte
Kosovo 2011
Odessa-Konvoi 2011
Afghanistan 2011
Zentralasien
1000 Kinder sehen
Reise in den Sudan
Odessa-Konvoi 2010
Afghanistan 2009
Presse
Kontakt
English
Impressum

Tag 4, erster Weihnachtsfeiertag

"Wenn wir jetzt 1000 Meter rausfahren würden, würden wir dort beschossen werden.“

KUNDUS Mein Programm sieht vor, dass ich einen echten Einblick in den Führungsstab dieses Auslandseinsatzes nehme. Ich werde mit den wichtigsten Kommandeuren sprechen. Ich habe aber auch verlangt, dass ich mit den Soldaten ungestört reden darf. Am Morgen bin ich bei den Feldjägern. Auch sie sind erstaunt, dass sich eine Bundestagsabgeordnete ihrer Unzufriedenheit mit der Berliner Politik stellt. Ich verspreche, dass ich meinen Kollegen im Untersuchungsausschuss die Bitte überbringen werde, sich auf die Aufklärung der Ereignisse  in Kundus in der Nacht zum 4. September 2009 zu konzentrieren, aber politische Schlammschlachten aus persönlicher Eitelkeit zu vermeiden. Die Feldjäger werden in der Öffentlichkeit oft unterschätzt. Sie arbeiten eng zusammen mit der afghanischen Polizei und sind an allen militärischen Operationen beteiligt.

Wir fliegen in der Transall nach Kundus. Drei gepanzerte Wölfe bringen mich zur Westplatte, auf der deutsche Soldaten Tag für Tag wachen. Einer zeigt auf die Weite, die vor ihm liegt, und sagt: "Wenn wir jetzt 1000 Meter rausfahren würden, würden wir dort beschossen werden."

Kundus: Blick von der Westplatte

Die Polizeistation von Kundus wirkt äußerst spartanisch. Der Betrachter sieht vor allem Stein, Staub und Kiesel. Dass sie von den Taliban beschossen werden, gehört für die stationierten deutschen Soldaten zum Alltag. Sie sollen die Umgebung befrieden und so den humanitären Aufbau ermöglichen. Dieser Auftrag gleicht jedoch einem Katz-und-Maus-Spiel: Was heute oft unter Lebensgefahr aufgebaut worden ist, wird morgen wieder zerstört. „Na klar, das ist frustrierend“, sagt einer der Männer. Und trotzdem spüre ich diesen ganz besonderen Humor, den die Soldaten entwickelt haben, um den Lebensmut nicht zu verlieren. Einige erzählen mir: "Wir haben Haustiere, und zwar Schildkröten, die passen nämlich sehr gut zu uns – sind ja auch gepanzert. Allerdings sind die Schildkröten klar im Vorteil bei einem Angriff: Sie können nämlich den Kopf einziehen."

Polizeistation in Kundus

Ich treffe auf eine Gruppe Soldaten aus Mecklenburg-Vorpommern. Hier, mehr als 5000 Kilometer fern der Heimat, sind wir uns ganz nah. Auch ein junger Goldberger, dessen Vater ich persönlich kenne, weil ich gleich um die Ecke in Sehlsdorf lebe, ist in Kundus als Aufklärer stationiert. Es gibt Augenblicke, da versucht man, die Wirklichkeit für ein paar Stunden auszublenden. Heute Abend feiert ein Soldat seinen Geburtstag, und dies ist einer dieser Augenblicke. Wir sitzen in einer kleinen Runde, es wird gescherzt, gelacht und angestoßen. Nur die Uniformen verraten, dass dies keine gewöhnliche Feier ist. "Wir dürfen nicht vergessen, dass jeder irgendwann den Sprung zurück ins zivile Leben schaffen muss", sagt später einer der Offiziere. "Und dazu gehört eben auch, sich ein Stück heile Welt zu bewahren."

Lesen Sie auch den fünften Teil: "Jetzt mal Kopf runter!"

ZurückWeiter