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Tag 3, Heiligabend

Glühwein bei 15 Grad plus

Unterwegs im gepanzerten Fuchs

MAZAR-E-SHARIF Im gepanzerten Fuchs fahren wir ins Zentrum von Mazar-e-Sharif. Eineinhalb Stunden stecke ich in einer 16 Kilogramm schweren, schusssicheren Weste und trage überdies Splitterschutzbrille, Helm und Handschuhe. Ich bin zugleich beeindruckt und verunsichert. Aus den Gesichtern der Leute, an denen wir vorbeijagen, lässt sich nichts ablesen. Sehen sie uns als Beschützer? Vertrauen Sie uns? Die Kinder winken den Militärfahrzeugen, die meisten Erwachsenen aber schauen eher grimmig. Es wäre ein schwieriges Unterfangen, ihnen unsere Kultur, unseren Lebensstil zu verordnen. Diesen Kampf dürften wir verlieren. Auch unsere Demokratie lässt sich nicht eins zu eins übertragen. Afghanistan ist ein Land, das von Stämmen zusammengehalten wird und im Kern sehr konservativ-traditionell ist. Unser Ziel muss es sein, Vorurteile abzubauen und den Leuten die Angst vor der westlichen Welt zu nehmen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Taliban, auch wenn ihnen die Schlagzeilen gehören, in der Minderheit sind. Trotzdem ist Vorsicht immerfort geboten: Niemand kann sicher sein, dass der Bauer auf dem Esel, der einem entgegenkommt, tatsächlich nur die Hacke bei sich trägt und aufs Feld will. Die Soldaten haben es erlebt, wie im nächsten Augenblick die Waffe gezogen wird. Auch der Druck, immer konzentriert und wachsam zu sein, macht ihren Alltag so anstrengend.

   

Treffen mit dem Polizeichef und dem Leiter des
Sicherheitsdienstes im Protokollzelt

 

Schlangestehen für das Essen im großen Speisesaal

So habe ich noch nie Weihnachten gefeiert: Draußen sind es 15 Grad, drinnen gibt es Christstollen und Glühwein. Beim Weihnachtsgottesdienst führen die Soldaten ein Krippenspiel auf; ein Chor singt mit den Zuhörern besinnliche Lieder. Auch Afghanen aus Mazar-e-Sharif sind unter den Gästen, so der Polizeichef und der Leiter des Sicherheitsdienstes. Im Protokollzelt werden Höflichkeiten und Geschenke ausgetauscht. Dies sei, so erfahre ich, unheimlich wichtig für die noch jungen Beziehungen. Wer seinem Gegenüber etwas schenkt, zollt ihm Respekt. Und natürlich gehört auch ein gemeinsames Essen zu diesem Fest. Lange Tische sind mit roten Decken und Weihnachtsdekoration geschmückt. Weihnachtsmänner aus Schokolade lachen einen an. Auf dem Speiseplan stehen: Gänsekeulen, Rotkraut, Klöße, Geflügelspieße, Bohnen, Salate und Gemüse. Es fehlt an nichts, jedenfalls nicht kulinarisch gesehen. Die Familien fehlen, in manchen Gesichtern kann man es lesen.

Den Abend verbringe ich mit 20 Reservisten und Soldaten. Zu dieser Runde gehört auch ein Mann, der im Zivilleben als Banker international arbeitet, er ist Reserveoffizier aus Leidenschaft. Leute wie er sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Bundeswehr.

Einer von vielen Reserveoffizieren, die der Bundeswehr Rückhalt geben

Lesen Sie auch den vierten Teil: "Wenn wir jetzt 1000 Meter rausfahren würden, würden wir beschossen werden"

 

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